2016 Das wars: das allererste Wissenskneipenfestival von ganz Hamburg – GOTT UND DIE WELT war das Thema – und wir haben geredet.

REDNER:
Christian Grohganz – Geschäftsführer von „lifaa“. Eine neuartige Mischung aus redaktionellen Beiträgen, Blogs und Online-Handel. Christian will damit nicht mehr und nicht weniger als unser Leben „upgraden“. So nebenbei hat er lange die „Sunday Essembly“ in Hamburg begleitet. Das Stichwort ist KIRCHE OHNE GOTT. Er wird etwas dazu sagen was ihn dorthin gebracht, aber auch wieder davon entfernt hat.

Susanne Röhner, Kirchenbank Bamberg – Die Bamberger haben sich in einer ökumenischen Initiative gesagt: wenn die Leute nicht zu uns kommen, dann gehen wir eben zu Ihnen. Sie haben eine alte Kirchenbank genommen und sie in den Bamberger Hainpark gestellt. Jeden Tag ist jetzt jemand da von der Kirche und vielleicht will ja jemand ein bisschen quatschen, über Gott und die Welt oder darüber dass alles teuer wird oder das Wetter immer schlechter. Belangloser Quatsch oder ein neuer Weg zu den (Un-)Gläubigen? Susanne Röhner erzählt.
Raphael Fellmer – Ein Leben im Geld- und Konsumstreik – und das Ganze mit Familie. Raphael hat das über 5 Jahre durchgezogen, ohne Job, ohne Einkauf. Er ist Initiator von Foodsharing.de und einer Plattform namens Sharecy.org. Letztlich geht es darum mit den Ressourcen vernünftig umzugehen. Ein Lebensmodell aus dem 21. Jahrhundert. Ignoranz oder Wertegemeinschaft: Was haben 2000 Jahre Kirche damit zu tun. Fragen Sie Raphael Fellmer.

Philip Kovce – Philip ist einer der Vordenker der Debatte um das Grundeinkommen. Er hat etwas geschafft, was nur die wenigsten ihm und der Bewegung zugetraut hätten: eine Volksabstimmung zum Thema in der Schweiz. Das große Thema dahinter ist wohl Gerechtigkeit, Respekt. Die Kirche würde vielleicht sagen Nächstenliebe. Geld, die Finanzierung ist ein großer Brocken – das Gesamtvermögen der deutschen Kirchen wird auf 435 Milliarden Euro geschätzt. Wir diskutieren und streiten über den Zusammenhang von Grundeinkommen, Gerechtigkeit und Kirchenvermögen.

Martin Dreyer – ein „Christ des Jahres“ – er hat 1992 den christlichen Jugendverein „Jesus Freaks“ gegründet und  ist 2 Jahre später von einem evangelischen Nachrichtenmagazin dafür ausgezeichnet worden. Ein umtriebiger Mensch. Prediger, Bekehrer. Er hat das Projekt „Volxbibel“initiiert, ein Versuch die alten Texte für junge Leser aufzuschließen – dabei werden die Übersetzungen über eine Wikiplattform ständig weiter entwickelt. Peinlich oder genial? Martin Dreyer hat viel Kritik einstecken müssen, auch für dieses Projekt. Was genau ist seine Mission? Geht es ihm um eine Kirche 2.0, die endlich ankommen will in der Moderne? Oder bleiben nicht doch nur Phrasen und neues Vokabular vor althergebrachten Botschaften?

Michael Schirmer – Pastor und Jazzer – oder doch eher Jazzer und Pastor. Michael ist seit 2 Jahren für die Schäfchen round about der Kulturkirche in Altona zuständig. Klassische Gemeinde- und Kirchenarbeit, das ist das Brot eines jeden Pastors. Aber aufmerksam geworden sind wir auf Ihn wegen Aktionen wie dem „Osterlachen, ein Abend, an dem Olli Dittrich auf der Kanzel Texte des großartigen Hamburger Humoristen Hanno Jaeger zum Besten gab. Michael Schirmer hat damit eine alte Kirchentradition wieder belebt. Witze und Anekdoten gehörten bis ins 19 Jahrhundert zum Repertoire der Kirchenmenschen. Das ist dann verloren gegangen. Wie vieles andere auch.

Christian Lührs – er glaubt nicht an Gott, ist durch und durch Atheist. Aber er glaubt an einen funktionierenden Wertekanon jenseits von Gott und Kirche. Dazu hat er ein Buch geschrieben: „Gut sein ohne Gott“. Es war gerichtet an seinen damals 10-jährigen Sohn und hat mittlerweile viele berührt und begeistert. Aber mal ehrlich: Fehlt nicht was im Leben ohne IHN? Und wenn`s mal nicht läuft und das tut es ja immer wieder mal nicht im Leben: wer ist dann da von den ganzen Humanisten und Atheisten und behütet und beschützt mich? Zu wem kann ich beten, wenn es IHN nicht gibt?

Jörg Schneider – ist Autor für die taz, die Frankfurter Rundschau, die Titanic und hat auch ein Buch geschrieben, sogar mehrere. Der Titel eines seiner bemerkenswertesten zeigt schon die Richtung an: „So komme ich in die Hölle – ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion“. Ein gemeines Buch mit wunderbaren Texten zu allen möglichen Absurditäten rund um die Kirche. Jörg wird aus seinem Buch lesen – anschließend werden wir uns gemeinsam darüber wundern, warum es die katholische Kirche eigentlich immer noch gibt.

Gerrit Spallek -Theologe von der neu gegründeten katholischen Fakultät in Hamburg. „Im Gespräch mit der Welt“ ist eine Sammlung von Texten, die eine ganz neue Sicht auf Kirche und Religion werfen. Hier wird ein gleichberechtigtes Nebeneinander der Konfessionen und Weltanschauungen propagiert. Fragen bleiben dennoch: warum meint die Kirche auch jene als die Ihrigen verstehen zu müssen, die sich bewusst von ihr abgewendet haben. Gerrit hat darüber hinaus noch ein anderes spannendes Projekt. Das hat mit dem Kiez und dem Rotlichtmilieu zu tun, ein Praxistest sozusagen. Mehr in der Wissenskneipe.

Pia Schaf – Mitbegründerin der Hamburger Modern Life School. Du bist der Regisseur deines Lebens, sagt sie. Zu Ihr kommen alle möglichen wissbegierigen Großstädter, die angesichts neuer ökonomischer und gesellschaftlicher Herausforderungen ihre „Mitte“ verloren zu haben scheinen – oder einfach nur neugierig sind. Wer bin ich in dieser Welt und was können wir miteinander anfangen? Fragen mit und an die Modern Life School.